Wie Du dich im Studium organisierst

Selbstorganisation kurz erklärt

Selbstorganisation im Studium ist für viele ein hübsch angemalter Stundenplan oder zu wissen wann die Klausuren sind. Für mich ist Selbstorganisation die Fähigkeit seine Ziele klar zu definieren, in konkrete Zwischenziele herunterzubrechen und schrittweise darauf hinzuarbeiten. Dies gelingt allerdings nur mit der notwendigen Selbstdisziplin sich und weniger wichtige Themen seinen Zielen unterzuordnen.

Solltest Du beispielsweise ein Auslandssemester machen wollen, dann musst Du einige zusätzliche Aufgaben, wie einen Sprachtest und ein Auswahlverfahren, neben deinem regulären Studium stemmen. Dabei besteht die Kunst darin die To-dos nacheinander abzuarbeiten und sich nicht zwischendurch davon verrückt machen zu lassen. Einige erprobte Ansätze für mehr Selbstorganisation im Studium findest Du dazu im folgenden Beitrag.

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Warum Selbstorganisation

Im Gegensatz zu deiner Schulzeit hast Du im Studium viel mehr Eigenverantwortung und bist für den Erfolg deines Studiums selbst verantwortlich. Du bist wahrscheinlich von zuhause ausgezogen und genießt die Freiheiten einer eigenen Wohnung oder WG. Wer soll dich schon dazu bringen morgens in die Vorlesung zu gehen? Merkt ja eh keiner! Jetzt die letzte Übung wiederholen? Wird ja morgen nicht abgefragt und die Klausur ist ja erst in ein paar Wochen!

Die Technik alles auf den letzten Drücker aufzuschieben funktioniert meistens gut, bis es dann doch Zeit wird sich auf die Klausuren vorzubereiten, die Wohnung zu putzen, einzukaufen und die Bewerbungsunterlagen für das Auslandssemester abzugeben. Wie oft ich schon gehört habe: „Ja da hatte ich keine Zeit mehr die Unterlagen abzugeben“ oder „Ich habe vergessen mich für die Prüfung rechtzeitig anzumelden“. 

Genau deswegen ist es so wichtig, dass Du dich früh selbst organisierst um diesen Schneeballeffekt von Klausuren, Abgaben und Deadlines zu vermeiden. Wie ich mich im Studium organisiert habe, und mit welchen Methoden ich mich bis heute organisiere, zeige ich dir in diesem Artikel.

Organisationstechniken

Ehrlich gesagt bin ich auch manchmal echt verplant und lasse mich durch den Tag treiben. Allerdings kommt man so halt auch nicht wirklich erfolgreich voran im Leben; zumindest nach klassischer Definition von Erfolg. Daher brauche ich ein festes Repertoire an zuverlässigen Techniken und Methoden um meine Ziele zu erreichen:

Big Five For Life (B5FL): Bevor Du startest und alle deine To-dos auflistest und nacheinander abarbeitest würde ich dir unbedingt empfehlen dir über deine „Big Five For Life*“ (ganz klare Buchempfehlung) Gedanken machen. Die B5FL sind deine persönlichen Ziele, die Du am Ende deines Lebens erreicht haben möchtest. Wenn Du dir darüber im klaren bist, dann wird es viel einfach für dich zu priorisieren, was dich wirklich voran bringt.

Priorisieren und Nein sagen: Nur der weiß wohin er will, weiß auch wohin er gehen muss. Wenn Du dir deinen Zielen bewusst bist, sogar diese für dich niedergeschrieben hast, nur dann kannst Du deine wirklichen Prioritäten festlegen um dich auf die wichtigen Aufgaben zu stürzen die dich auch wirklich voran bringen. Angenehmer Nebeneffekt, die zeitfressenden Aufgaben, die dich deinen Zielen nicht näher bringen, sortierst Du nach und nach immer gekonnter aus wodurch noch mehr Zeit für dich bleibt.

Kanban: Sobald Du weißt was dich wirklich voran bringt kannst Du schrittweise To-dos ableiten und in ein sog. Kanban Board übertragen. Ein Kanban Board, welches Du einfach mit Post-its an die Tür kleben kannst) besteht immer aus einer To-Do-Spalte für Dinge die Du erledigen musst aber noch nicht daran arbeitest. Woran Du gerade arbeitest steht in der Doing-Spalte und sobald Du damit fertig bist kommt es in die Done-Spalte. Dann gibt es noch einen sogenannten Backlog, darin steht worum Du dich in naher Zukunft kümmern solltest. Wenn Du ganz agil arbeiten möchtest hast Du auch eine Blocked-Spalte in der Du Themen verortest, die durch andere Aufgaben blockiert sind. In diesem Kanban Board ordnest Du die kommenden Tätigkeiten ein. Dazu schreibe ich dir weiter unten ein kurzes Beispiel.

Incentive Plan: Natürlich sollst Du nicht nur arbeiten und dich verausgaben. Ruhepausen und Belohnungen lassen dich wieder frisch und motiviert ans Werk gehen. Dazu erstellst Du dir am besten einen Belohnungs-Plan in dem Du festhältst wie Du dich für für bestimmte Aufgaben und Ergebnisse belohnst. So war für mich zum Beispiel die ganze Lernerei immer etwas langwierig, daher habe ich mir alle 45 Minuten eine Pause von 15 Minuten gegönnt und wenn ich am Tag mindestens 8 Stunden gelernt habe, dann durfte ich mir den Abend frei nehmen.

Gewohnheiten aufbauen: Wenn Du für 30 Tage jeden Morgen um 5:00 Uhr aufstehst, dann gewöhnt sich dein Körper an den neuen Rhythmus und es fällt dir somit leichter früh aufzustehen und es wird auf einmal ganz normal. Ähnlich ist es mit anderen Gewohnheiten, wie einen straffen Lernplan einzuhalten, jeden Morgen zu meditieren oder regelmäßig Sport zu machen. Sogar negative Angewohnheiten kannst Du damit in den Griff bekommen. Dazu kann ich dir das Buch „Atomic Habits*“ sehr empfehlen.

Deep Work: Deep Work, oder Fokusarbeit, ermöglicht es dir dich vollkommen einem Thema zu widmen. Dazu strukturierst Du deine Tage mit Zeitslots in deinem Kalender in denen Du nur ein bestimmtes Thema erarbeitest. So blockiere ich mir zum Beispiel während dem Corona Lockdown den Samstag von 14:00 bis 18:00 Uhr mit zwei kleinen Pausen um diesen Artikel zu schreiben. Der große Vorteil von Deep Work ist, dass Du kein unproduktives Multitasking machst sondern dich komplett in ein Thema einarbeitest und es versuchst möglich komplett zu bearbeiten. Wenn es sich um größere Aufgaben wie eine Bachelorarbeit handelt könntest Du dir ein Kapitel oder eine spezifische Aufgabe, wie z.B. den Fragebogenentwurf erstellen oder ein Interview zu transkribieren, vornehmen.

Wie ich mich selbst organisiere

Für mich machen Selbstorganisation und Selbstdisziplin den entscheidenden Unterschied ob ich meine Ziele erreichen werde oder nicht. Denn allein vom „in den Tag hineinleben“ werden aus Zielen nur Traumschlösser und ein Wochenende wird schnell zum lustlosen Serienmarathon. Daher versuche ich mir bewusst zu werden, was ich erreichen möchte und leite davon ab was ich genau machen muss um das zu erreichen. Die große Kunst dabei ist es die langfristige Vision in machbare Schritte herunterzubrechen, nach der besten Herangehensweise zu analysieren und dann auch zu erledigen. 

Dazu und zur praktischen Anwendung von Kanban ein kurzes Beispiel: Angenommen ich möchte unbedingt in ein Auslandssemester in Neuseeland machen, dann schreibe ich mir zuerst „Auslandssemester Neuseeland“ als Ziel nieder. Für ein Auslandssemester in Neuseeland brauche einen z.B. TOEFL-Test, Flüge, Motivationsschreiben, ein Visum und eine Unterkunft vor Ort. Allerdings muss ich mich ja nicht um alles gleichzeitig kümmern. Weil ich früh und konsequent mit dem Lernen auf den TOEFL-Test anfange, packe ich den TOEFL-Test in Doing, das Motivationsschreiben kommt auf To-Do da dieses nach dem Test schnell erledigt ist. Der Visumsantrag steht im Backlog, da ich, unabhängig wo ich einen Platz bekomme außerhalb von Europa ein Visum benötige. Die Flüge sowie die Unterkunft stehen auf Blocked, da diese mit der Visumserteilung stehen oder fallen und somit nicht vorher organisiert werden sollten. Zu diesen Aufgaben für das Auslandssemester kommen noch weitere Aufgaben für andere Ziele, wie Klausurvorbereitung, Seminararbeit, Praktikum suchen oder Geburtstagsgeschenke organisieren. Dadurch kommt der große Vorteil von Kanban gegenüber einer normalen To-do-Liste zum tragen: Ich habe maximal 3 Tickets in Doing wodurch ich kein unproduktives Multitasking beginne und dich wirklich fokussiert auf die jetzt anstehenden Themen konzentrieren kann. Dazu blockiere ich mir Zeitslots in meinem Kalender und arbeite diese konsequent ab um die Aufgaben auf erledigt zu stellen und mit die nächste Aufgabe zu bewältigen. 

Leider gibt es keine Geheimtipps seine Ziele zu erreichen, außer gute Vorbereitung und ein hohes Maß an Selbstdisziplin.

Viel Erfolg deine Träume wahr werden zu lassen!

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