Wie komme ich ins Auslandssemester?

Welche Wege führen ins Ausland?​

Grundsätzlich hast Du verschiedene Möglichkeiten ins Ausland zu gehen. Die bekanntesten Wege ins Ausland sind über das europäische Förderprogramm Erasmus und sogenannte Bilaterale Partnerschaften deiner Heimuniversität. Das heißt deine Universität nimmt jährlich eine gewisse Anzahl von Gaststudent*innen der Erasmus-Programme und Kooperationspartner auf. Im Gegenzug dürfen die eigenen Student*innen an die anderen Hochschulen. Welche Partnerunis in welchen Ländern deine Universität hat findest Du schnell heraus, indem Du die Internetseite des „International Office“ (IO) deiner Heimuniversität durchsuchst. Dort gibt es Hinweise zu Kooperationspartnern, „Wegen ins Ausland“ oder Auslandssemester. Solltest Du den Auftritt nicht finden, wende dich an das IO deiner Universität und frage freundlich nach ein paar weiteren Informationen. Wichtig!: Die Mitarbeiter*innen des IO sind später auch diejenigen, die entscheiden wer an welche Uni gehen darf! Also versuch einen guten Eindruck zu machen 🙂

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Alternativen zu den Partnerprogrammen​

Leider gibt es nie genug Auslandsplätze für alle. Daher gibt es auch neben den Kooperationsprogrammen zahlreiche Möglichkeiten sich selbst um ein Auslandssemester zu kümmern. Du kannst beispielsweise als sogenannter Freemover oder über eine gewerbliche Organisation ein Semester im Ausland verbringen. Der große Vorteil ist hier, dass Du in dein bevorzugtes Land kommst sowie eine breite Auswahl an Universitäten hast. Der Freemover empfiehlt sich vor allem, wenn Du die Deadline deiner Bewerbung verpasst hast, keinen der Austauschplätze ergattern konntest oder dich deine zugeteilte Universität nicht sonderlich reizt.

Neben dem Auslandssemester kannst Du dir auch überlegen ein Auslandspraktikum zu machen. Der große Vorteil ist hier, dass Du relevante Berufserfahrung im Ausland sammeln kannst und meist erhältst Du neben einem vergleichsweise gutem Einkommen eine Unterkunft gestellt. Dadurch wird ein Auslandspraktikum finanziell attraktiv und Du kannst die Fähigkeit „Interkulturelle Kompetenzen“ deinem Lebenslauf glaubhaft hinzufügen.

Vorteile der Kooperationsprogramme und Erasmus​

Die Entscheidung für ein Auslandssemester über ein Erasmus- oder Kooperationsprogramm, sollte man einen der begehrten Plätze ergattern, birgt zahlreiche Vorteile gegenüber dem Freemoverdasein! Kurz zusammengefasst sind diese Programme dafür da die Studierenden bestmöglich fachlich als auch finanziell dazu unterstützen eine solche Erfahrung zu machen. Ich selbst bin über das Baden-Würrtemberg-Stipendium nach Australien und über ein Kooperationsprogramm der Universität Innsbruck nach Taipei gegangen und möchte an dieser Stelle meine tiefe Dankbarkeit für diese einzigartigen Erlebnisse ausdrücken.

Studiengebühren: Viele Kooperationsprogramme erlassen den „Incoming Students“ die Studiengebühren, da die „Outgoing Students“ der Partneruniversität weiterhin ihre Beiträge bezahlen. Das bedeutet kurz gesagt, die Person, die für Dich nach Deutschland kommt bezahlt Dir die Studiengebühren im Zielland. Da haben wir in Deutschland und Österreich wirklich sehr Glück, dass wir die Studiengebühren abgeschafft haben. Zum Vergleich in den USA oder Australien musst Du sonst mit 10.000 USD pro Semester nur an Studiengebühren rechnen!

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Studienleistungen anrechnen: Immer ein heikles Thema. Meines Erachtens nach müssten die deutschen Universitäten hier den Studierenden mehr entgegen kommen. Ja die Ansprüche sind oft nicht vergleichbar wie in Deutschland, aber das Wissen aus dem Textbuch ist halt auch nicht alles was im Leben zählt. Auf jeden Fall könntest Du größere Chancen haben Deine Prüfungen über ein offizielles Austauschprogramm anrechnen zu lassen, da Du bei diesen Kooperationsprogrammen meist ein sog. „Learning Agreement“ ausfüllst. Das Learning Agreement ist zwar von Uni zu Uni unterschiedlich aber beinhaltet meist eine Übersicht wie Du dir welche Kurse aus dem Ausland wie anrechnen lassen könntest.

Strukturierter Prozess: Da deine Heimuni jedes Jahr einige Studierende ins Ausland schickt haben sich hier über die Jahre bewährte Prozesse und Hilfeprogramme etabliert. So kannst Du dir sicher sein, dass Dir deine Fragen korrekt beantwortet werden und Du auch alles richtig machst.

Förderprogramme und Stipendien: Bei den meisten Partnerprogrammen und Erasmusprogrammen ist eine monatliche Förderung inkludiert. Die Höhe variiert abhängig von Programm und Studienland. Informiere Dich hier bei deinem IO welche Programme es gibt und wie Du dich darauf bewerben kannst.

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Informationsveranstaltungen: Neben den Informationen auf der Website des IO findest Du auch meist kompetente Ansprechpartner, die die Programme verwalten und deine Fragen bestens beantworten können. Dazu würde ich Dir raten im ersten Semester schon bei der Informationsveranstaltung teilzunehmen, da hier auch Buddy-Programme zur Betreuung von Incoming-Students vorgestellt werden. Als Buddy bekommst Du informelle Pluspunkte für deine eigene Bewerbung und lernst einige interessante Austauschstudent*innen kennen, die vielleicht später deine Buddys werden!

Intensive Betreuung: Die Betreuung variiert ehrlich gesagt von Uni zu Uni und von Programm zu Programm, ist allerdings meist sehr gut. So hatten wir in Australien ein Treffen inklusive Vorträge und Erfahrungsberichte von ehemaligen Stipendiat*innen, die aus Baden-Württemberg nach Australien gegangen sind. Hier habe ich auch schon zwei Jungs kennengelernt, die heute zu meinen besten Freunden zählen und Teil einer größeren Gruppe in Adelaide waren ♥

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Meine persönliche Meinung zum Auslandssemester

Für mich war die Zeit in Taiwan und Australien bisher eine der schönsten Erlebnisse meines Lebens. Eine ziemlich harte Aussage, aber die Chance für sechs bis 12 Monate teilbezahlten Urlaub in einer universitären Umgebung wird sich mir wahrscheinlich nie wieder ergeben. Sozusagen ist es eine Erfahrung produktiv Urlaub zu machen, tendenziell einfachere Klausuren mitzunehmen, neue Leute und Kulturen kennenzulernen sowie das lockere und unbeschwerte Gefühl, welches wir Deutschen einfach nicht kennen und nicht leben, jeden Tag neu entdecken zu können. 

Natürlich glorifiziert man viel im Nachhinein. Vergessen sind der Abschiedsschmerz, die Angst vor dem Unbekannten, das typische Heimweh am Anfang der Zeit als auch der „Reverse Culture Shock“. Geblieben sind die schönen Erinnerungen von großartigen Menschen, malerischen Orten und unbeschreiblicher Natur, sowie ein aufgeschlossener Charakter und fließende Sprachkenntnisse. 

Was Du noch für Dein Auslandssemester wissen solltest